Kranichbiologie

Steckbrief

Jungenaufzucht

Die Rast

Der Zug

Überwinterung

 
   

 
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Das Sammeln und Rasten

Ab Anfang August finden sich die einheimischen Brutpaare mit ihrem Nachwuchs an den sogenannten Sammelplätzen ein, die im Abstand von 20 bis 50 Kilometer über das Verbreitungsgebiet verteilt sind. Zuerst kommen die Junggesellen und Paare ohne Bruterfolg, anschließend die Brutpaare mit ihren Jungen. Ab September erhalten sie Verstärkung von durchziehenden Kranichen aus nordischen und östlichen Brutgebieten, die in Deutschland rasten. Sie verweilen zusammen mit den heimischen Kranichen an Sammelplätzen oder unterbrechen ihren Zug an Rastplätzen.

Einer der bedeutendsten Rastplätze in Europa befindet sich an der Ostseeküste in der Rügen-Bock-Region. Große Rastplätze sind auch von der unteren Oder, der Mecklenburgischen Großseenplatte (z. B. die Müritz und die Langenhägener Seewiesen), dem Rhinluch und Havelländischem Luch (z.B. Linumer Fischteiche und Nauen) sowie seit einigen Jahren aus der Oberlausitz bekannt. Weitere Rastplätze mit Ansammlungen von einigen hundert bis zu rund eintausend Kranichen gibt es im südöstlichen Schleswig-Holstein, in Niedersachsen und in Hessen.

Das Zentrum eines Rast- oder Sammelplatzes bilden ein oder mehrere Schlafplätze. Sie befinden sich in Gewässern mit Flachwasserbereichen, in denen die Kraniche nachts stehend schlafen. Tagsüber suchen die Tiere auf nahegelegenen Ackerflächen nach Nahrung.

Zwischen Ende Oktober und Anfang November ziehen die Kraniche aus Mitteleuropa ab. In milden Wintern bleiben gelegentlich kleinere Kranichtrupps in Deutschland.

 
   

 
Die Bedeutung der Rügen-Bock-Region als Rastplatz

Die Rügen-Bock-Region ist einer der bedeutendsten Kranichrastplätze in Europa. Etwa ein Drittel der gesamten Population des westeuropäischen Zugweges rastet hier. Im Herbst sind es bis zu 70.000 Kraniche aus Skandinavien, dem Baltikum und Polen gleichzeitig.

Seit den 1970er-Jahren hat sich die Anzahl der Vögel auf Grund gut geschützter Schlafstellen und verstärktem Getreide- und Maisanbau auf extrem großen Schlägen ständig erhöht. Die Rastkapazität ist nun offensichtlich erreicht. An den Schlafplätzen der Bock-/Werder Inseln schlafen bis zu 40.000, auf Rügen bis 15.000 und auf der Insel Kirr bis zu 15.000 Kraniche.

Luftaufnahme Boddengewässer
Die Luftbildaufnahme zeigt die flachen Boddengewässer.

Vom Kranich-Informationszentrum werden in diesem Gebiet in den Monaten September und Oktober regelmäßig Synchronzählungen an allen Schlafplätzen initiiert. Die drei Hauptschlafplätze sind die Werder-Inseln, die Insel Kirr und die Udarser Wiek.

 

Synchronzählungen Herbst 2010:

22.08.2010 - 1640 Kraniche
04.09.2010 - 6329 Kraniche
15.09.2010 - 12290 Kraniche
25.09.2010 - 21537 Kraniche
02.10.2010 - 43380 Kraniche
09.10.2010 - 57655 Kraniche
16.10.2010 - 48993 Kraniche
23.10.2010 - 24504 Kraniche
30.10.2010 - 3442 Kraniche
06.11.2010 - 3590 Kraniche

Synchronzählungen Herbst 2009:

10.09.2009 - 9.810 Kraniche
24.09.2009 - 20.688 Kraniche
01.10.2009 - 20.439 Kraniche
08.10.2009 - 31.317 Kraniche
10.10.2009 - 60.000 Kraniche
15.10.2009 - 14.746 Kraniche
22.10.2009 - 13.779 Kraniche
29.10.2009 - 12.470 Kraniche
05.11.2009 - 5.370 Kraniche

Synchronzählungen Herbst 2008:

11.09.2008 - 10.246 Kraniche
25.09.2008 - 36.531 Kraniche
02.10.2008 - 34.195 Kraniche
09.10.2008 - 55.319 Kraniche
16.10.2008 - 65.663 Kraniche
23.10.2008 - 47.874 Kraniche
30.10.2008 - 9.278 Kraniche
06.11.2008 - 4.781 Kraniche

Synchronzählungen Herbst 2007:

06.09.2007 - 6.065 Kraniche
27.09.2007 - 21.270 Kraniche
04.10.2007 - 48.446 Kraniche
11.10.2007 - 69.260 Kraniche
18.10.2007 - 45.880 Kraniche
25.10.2007 - 10.705 Kraniche
01.11.2007 - 12.480 Kraniche

Synchronzählungen Herbst 2006:

07.09.2006 - 3.524 Kraniche
30.09.2006 - 12.805 Kraniche
05.10.2006 - 17.082 Kraniche
12.10.2006 - 59.325 Kraniche
19.10.2006 - 50.100 Kraniche
26.10.2006 - 48.950 Kraniche

Synchronzählungen Herbst 2005:

08.09.2005 - 6.700 Kraniche
22.09.2005 - 16.000 Kraniche
01.10.2005 - 21.720 Kraniche
13.10.2005 - 43.070 Kraniche
20.10.2005 - 32.685 Kraniche
03.11.2005 - 28.220 Kraniche
11.11.2005 - 23.605 Kraniche

Synchronzählungen Herbst 2004:

06.09.2004 - 5.900 Kraniche
23.09.2004 - 13.180 Kraniche
07.10.2004 - 40.600 Kraniche
14.10.2004 - 38.840 Kraniche
21.10.2004 - 46.850 Kraniche
04.11.2004 - 22.860 Kraniche

Rastmaxima der letzten Jahre in der Übersicht:

09.10.2010 - 57.655 Kraniche
10.10.2009 - 60.000 Kraniche
16.10.2008 - 65.663 Kraniche
11.10.2007 - 69.260 Kraniche
12.10.2006 - 59.325 Kraniche
13.10.2005 - 43.070 Kraniche
21.10.2004 - 46.850 Kraniche
16.10.2003 - 24.485 Kraniche
17.10.2002 - 49.780 Kraniche
26.10.2001 - 59.448 Kraniche
21.10.2000 - 38.600 Kraniche
14.10.1999 - 38.070 Kraniche
17.10.1998 - 43.500 Kraniche

 
   

 
Der eindrucksvolle Überflug am Morgen und Abend

Nachts schlafen die Kraniche stehend in den flachen Gewässern des Boddens (Flachwasserzone der Ostseeküste). Hier sind sie vor Bodenfeinden sicher. Morgens fliegen sie in langen Ketten zu den Nahrungsflächen, abends kehren sie zum Schlafplatz zurück.
Die Schlafplätze sind uneingeschränkt zu schützen. Störungen verunsichern die Vögel, trennen Eltern von ihren Jungen, und eine Flucht verursacht einen zusätzlichen Energieverbrauch, der durch vermehrte Nahrungsaufnahme ausgeglichen werden muß. Bei stärkeren Störungen werden Schlafplätze völlig aufgegeben.

Auf das beeindruckende Naturschauspiel des abendlichen oder morgendlichen Fluges zum oder vom Schlafplatz brauchen die Besucher trotzdem nicht zu verzichten. Am besten können Sie die Kraniche von den empfohlenen Aussichtspunkten aus beobachten.

 
   

 
Energiereserven für den Flug ins Winterquartier

Kranich auf NahrungssucheFür den mehrere tausend Kilometer langen Zug in die Winterquartiere benötigen die Kraniche Energiereserven, die in Form von Fettdepots während der Rast durch energiereiche Nahrung angelegt werden.

Die Kraniche fliegen von den Schlafplätzen aus bis zu 30 Kilometer ins Land hinein, um Mais- und Getreidestoppelfelder sowie Neusaaten von Gerste und Weizen zu finden. Auf Flächen mit gutem Nahrungsangebot versammeln sich Hunderte bis Tausende Kraniche. Ein Kranich nimmt täglich 200 bis 300 Gramm Getreide auf.

Wenn Sie Kraniche auf einem Feld oder einer Wiese entdecken, bleiben Sie bitte in Ihren Fahrzeugen, da die Rastvögel eine große Fluchtdistanz von mindestens 300 Meter haben. Beobachter im Auto tolerieren die Kraniche auch aus geringerer Entfernung. Sobald Sie aber aussteigen, fliegen sie auf und davon.

 
   

 
Hilfe für rastende Kraniche und betroffene Landwirte

Kraniche können auf landwirtschaftlichen Kulturen Schäden verursachen. Aus diesem Grunde versuchen einige Landwirte, die Vögel von ihren Flächen zu verscheuchen. Dadurch verbrauchen die Kraniche viel Energie, die für den langen Zugweg eine entscheidende Voraussetzung ist.

Um Landwirten und Kranichen gleichermaßen zu helfen, haben staatlichen Stellen (Umweltministerium, Schwerin; Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie, Güstrow; Staatliches Amt für Umwelt und Natur, Stralsund) in enger Zusammenarbeit mit betroffenen Bauern, mit Kranichschutz Deutschland und dem Verein zum Schutze und Erhalt des Kranichrastplatzes Rügen-Bock-Region e.V. ein System von Flächen zur "Ablenkfütterung" geschaffen.

1999 finanzierte das Umweltministerium 17 Ablenkflächen mit einer Größe von insgesamt rund 350 Hektar. Aus finanziellen Gründen können heutzutage nur noch sechs bis acht Ablenkfütterungsflächen in der Rügen-Bock Region betrieben werden. Kranichschutz Deutschland betreibt zusätzlich seit 1998 verschiedene eigene Ablenkfütterungen in der Region und unterstützt ähnliche Projekte beispielsweise auch in Linum.

Elisabeth und Bernhard Weik-StiftungDer Einsatz von Kranich-Rangern zur Reduzierung von Störungen und zur Besucherinformation während der Rastzeiten erwies sich als sehr erfolgreich (in den Jahren 1999 bis 2005 teilweise mit Unterstützung des Umweltministeriums des Landes Mecklenburg-Vorpommern und der Bingo-Lotterie, Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung). Heute wird das Projekt zum Teil durch die Schneider-Menden-Stiftung und durch die Elisabeth und Bernhard Weik-Stiftung gefördert.

 
   
   
Kranichschutz Deutschland
 

 

 Projektträger:

NABU


WWF

 Unterstützt durch:

Lufthansa Umweltförderung

   
 
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Dokument zuletzt bearbeitet am 02.12.2010

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