Lulu letzter Eintrag: 28.11.07
Name Lulu
Geburtsjahr vor 2000
Geschlecht Weibchen
Kombination BuBkBu-YRBu
Metallringnummer BA 013220
Frequenz 148,391 MHz
Beringungsdatum 11.06.2004
Beringungsort D, MV, NVP, Neu Steinhorst
Koordinaten 54°08' N, 12°28' E
Beobachtungsorte in Europa
Lulus Kinder mit Ringen
Die beiden farbig markierten Jungkraniche (Lulus Kinder) kurz vor der Freilassung.
(Foto: M. Modrow, 28.06.2005)

Kraniche erneuern alle 3-4 Jahre die Schwungfedern durch eine Vollmauser. Dadurch sind sie mehrere Wochen flugunfähig und das Fangteam hatte die Möglichkeit, einen Altvogel zu markieren.

Als brütender Altvogel saß sie am 28.04.04 in einer kleinen feuchten Waldsenke bei Neu Steinhorst (Landkreis Nordvorpommern) auf dem Gelege mit einem Ei. Sie flog beim Erscheinen der Brutpaarkontrolleure auf. Erst am 11.06.04 wurde Lulu erneut auf einer Wiese im Revier gesehen und rannte im Gegensatz zu ihrem Partner in den Wald - sie mauserte. Während das Männchen warnend aufflog, spurteten die Läufer hinter Lulu her. Nach einigen Sekunden konnte Lulu im Hochwald eingeholt und markiert werden. Neben einem Sender wurde sie noch mit der Ringkombination blau-schwarz-blau/gelb-rot-blau versehen.

In den folgenden Wochen wurde Lulu bis zum 25.07.04 auf einer Wiese gesehen bzw. im Wald durch Peilung bestätigt. Am 23.09.04 gelang eine Beobachtung bei Trinwillershagen, am 24.09.04 bei Ahrenshagen auf einem Getreidestoppelfeld südöstlich von Ribnitz-Damgarten. In Nordvorpommern konnte die Familie bis zum 02.11.04 mehrfach auf verschiedenen Nahrungsflächen und auf der Kirr nachgewiesen werden. Ab dem 08.11.04 (Ortung am Schlafplatz gegen 17:20) rastete Lulu am Lac du Der Chantecoq (letzter Kontakt am Lac 20.12.04). Danach wurde Lulu nicht mehr am Lac du Der Chantecoq gesehen oder geortet.

Informationen, wo sie überwinterte, sind bisher nicht gemeldet worden. Spätestens am 29.01.05 ist sie zum Lac zurückgekehrt. Sie wurde morgens gegen 7:30 Uhr vom Norddamm aus in Richtung einer kleinen Insel im See geortet. Bereits um 12:40 Uhr gelang ein weiterer Kontakt zwischen Heiltz-le-Hutier und Saint Vrain ( N 48°41 / E 4°47' ) vom Rand der D358 in südlicher Richtung. Übrigens wurden am Morgen des 30.01.05 von der LPO 11880 Kraniche am Lac gezählt.

Zurück im Brutgebiet: Am 19.03.05 wurde Lulu gemeinsam mit ihrem Partner in unmittelbarer Nähe des Brutrevieres bei Neu Steinhorst beobachtet. Es hatte den Anschein, dass zwei weitere sehr starke Kraniche (evtl. beides Männchen), um Lulu geworben haben.

Am 02.04.2005 standen Lulu und ihr Partner 200 Meter vom Brutplatz entfernt und gingen auf einer Wiese dem Nahrungserwerb nach. Bei dem standardisierten Brutplatzmonitoring von Kranichschutz Deutschland konnte am 06.04.05 ein Ei mit 242g Masse erfasst werden.

Nachdem wir Lulu seit Ihrer Rückkehr aus Frankreich mehrfach „aus der Ferne besucht“ haben, sind wir ihr bzw. Ihrer Familie am 28.06.05 erneut näher gekommen. Während Lulu etwas abseits ihres Partners und ihrer Nachkommen auf einem Maisfeld nach Nahrung suchte, gelang es uns, beide Jungvögel in einem Feldsoll zu fangen. Um die Familienbande optisch anzugleichen, erhielt der Nachwuchs fast identische Ringkombinationen (blau-blau-weiß/gelb-rot-blau und blau-blau-weiß/gelb-rot-weiß). Die etwa siebeneinhalb Wochen alten Vögel wogen 4000g und 3250g.

Am 20.08.05 wurde die Familie mit nur einem Jungen auf der Insel Kirr in der Region des Nationalparks „Vorpommersche Boddenlandschaft“ geortet. Das Schicksal des anderen Nachkommen ist nicht bekannt. In Folge konnte die Familie mit dem Jungen Namens „Biebertal“ (blau-blau-weiß/gelb-rot-weiß) mehrfach auf verschiedenen Stoppelflächen zwischen Lüdershagen und Bodstedt (Kreis NVP) beobachtet werden (zuletzt am 06.10.05).

Das Fangteam
Freude über die geglückte Fangaktion von „Lulus Kindern”:
T. Fichtner (links), G. Nowald und J. Alonso. (Foto: M. Modrow, 28.06.2005)

Danach ging es weiter nach Frankreich, wo Lulus Familie am 18.12.05 (17:25 Uhr) vom Süddamm des Lac du Der Chantecoq geortet wurde (auch am 19.12.05, 8:25 Uhr). Es herrschte dichter Schneefall. Eine genaue Zählung der Rastpopulation war nicht möglich. Die Schätzung liegt bei 5.000 - 8.000 Kranichen. Eventuell fliegt unsere Familie schon in den nächsten Tagen bei günstigerer Wetterlage weiter in den Süden!

Bis zum 14.01.06 wurde Lulu's Familie nicht mehr geortet. Abends am 14.01., sowie am 15. und 16.01.06 wurde Lulu mit ihrem Nachwuchs am Schlafplatz des Lac du Der Chantecoq geortet. Am 15.01.06 haben Mitarbeiter der LPO dort 12.080 Kraniche gezählt.

Beringter Jungvogel Lulus von 2006
Auf geht's - einer der beiden Jungen
von 2006 nach der Beringung.
(Foto: M. Modrow, 17.07.06)

Am 11.03.06 um 08:11 Uhr (Radio tracking) startete Lulu vom Schlafplatz des Lac du Der Chantecoq und flog Richtung Norden. Um 17:45 wurden Sie und ihr Partner am Neustädter Moor in Niedersachsen abgelesen. Ihr Junges blieb vermutlich in Frankreich. Die Familienauflösung findet häufig während des Heimzuges statt. Manchmal kommen die Familien aber auch noch gemeinsam zurück ins Brutgebiet. Am 20.03.06 sind Lulu und Partner zum Brutrevier nach Neu Steinhorst zurückgekehrt (14:30 Uhr).

Die Brutsaison 2006: Am 12.04.2006 hatte Lulu bereits das erste Ei gelegt. Bei einer weiteren Kontrolle - vier Tage später - bebrütete sie ein komplettes Gelege mit zwei Eiern. Am 12.06.2006 konnte die Familie mit beiden Nachkommen auf einer Wiese bei Neu Steinhorst beobachtet werden (auch am 27./29./30.06./07.07.06). Ein Junges wurde am 16.07.06 gefangen und markiert. Der 3850 g schwere Jungvogel erhielt neben der Ringkombination blau-blau-weiß und gelb-rot-grün einen Radiosender auf dem Rücken. Das Geschwister wurde einen Tag später beringt (blau-blau-weiß, gelb-rot-schwarz, 3650 g, Sender). Jetzt hoffen wir auf ein Wiedersehen am Rastplatz in der Region des Nationalparks „Vorpommersche Boddenlandschaft“.

Am 23.09.06 wurde die Familie dann tatsächlich komplett bei Ahrenshagen (Nordvorpommern) beobachtet. Sie verbrachten noch den ganzen Oktober in der Region bevor sie am Massenzugtag (02.11.2006) aufgebrochen sind.

Am 04.11.2006 suchte die Kranichfamilie in der „Kolonie Rathlosen“ (Diepholzer Moorniederung, Niedersachsen) nach Nahrung. Sie stand zunächst abseits von anderen Kranichgruppen auf einem Wintergetreidefeld. Später wechselten sie zu einer wenige Hundert Meter entfernten Ponyweide. Diese nutzten sie einige Wochen lang. Danach beschickte der Eigentümer die Weide mit Rindern - die Kranichfamilie bewegte sich ab dann zwischen den Rindern. Am 10.12.2006 gab es einen Zugversuch. Wegen des schönen Zugwetters brachen Abertausende Kraniche aus der Diepholzer Moorniederung in Richtung Südwesten auf. Auf Höhe der Mittelgebirge traffen sie auf Nebel und Gegenwind. Da Lulu am Morgen nicht auf ihrer Nahrungsfläche war, muss sie mitgestartet sein. Abends wurde sie aber wieder am Schlafplatz geortet. Wie viele Kraniche war auch sie mit ihrer Familie zurückgekehrt.

Lulus Familie
Lulu und ihre Familie in der Kolonie Rathlosen bei der Nahrungssuche
auf einer Ponyweide. (Foto: M. Kirchhoff, 30.11.06, 13:51 Uhr)

Ab Mitte Dezember (15.12.2006) wechselte die Familie zu einem Hof nach Wietinghausen. Dieser Standort liegt weniger als ein Kilometer vom Schlafplatz im Nördlichen Wietingsmoor entfernt. Hier war die Familie bis zum 14.01.2006 in der Nähe eines großen Kuhstalles. Es hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefroren, so dass überwiegend Würmer aus dem Boden aufgenommen werden konnten. Lulu und ihre Familie wurde noch am 20.01.2007 in Kolonie Rathlosen gesehen. Ab dem 23.01.2007 gab es den ersten Frost bis minus 11 Grad in der Diepholzer Moorniederung. Am 24.01.2007 wurde Lulu nicht mehr am Schlafplatz im Nördlichen Wietingsmoor geortet. Die Familie unternahm eine sogenannte „Winterflucht”.

Am 27.02.07 wurden die Jungen von Lulu (blau-blau-weiß, gelb-rot-grün / blau-blau-weiß, gelb-rot-schwarz) ohne Eltern an der Ferme aux Grues am Lac du Der Chantecoq entdeckt. Aber wo war Lulu? Fand hier die Familienauflösung statt - oder bereits an einem anderen Ort? Sind die Jungen dann mit anderen Kranichen am Lac du Der eingetroffen? Es gibt keine 100% sichere Antwort. Lulu ist ins Brutgebiet zurückgekehrt: Am 04.03.07 wurde Lulu gemeinsam mit ihrem Partner ohne Junge in unmittelbarer Nähe des Brutreviers bei Neu Steinhorst beobachtet (letzte Beobachtung: 10.03.07).

Die Eiablage fand um den 1. April statt, da bei der Kontrolle am 1. Mai bereits eines der beiden Eier vom Jungen gepickt war - das Junge arbeitete sich zu diesem Zeitpunkt gerade mit Hilfe des "Eizahns" durch die Schale. Leider wurde Lulu dann am 21.05.07 nur mit dem Partner auf einem Maisfeld bei Neu Steinhorst beobachtet. Vermutlich hat das Paar ihre Jungen in dem "neuen" Revier verloren. Da der Brutplatz aus den Vorjahren von einem anderen Paar besetzt war, musste Lulu umziehen. Das neue Revier ist vermutlich weniger gut für die Jungenaufzucht geeignet.

Am 01.06.07 wurde Lulu im Wald am neuen Brutplatz beobachtet. Nach ihrem Verhalten zu urteilen, hat sie in diesem Jahr erneut gemausert. Die letzte Peilung im Revier ist vom 28.06.07.

Lulu und ihr Partner auf einem Stoppelfeld
Am 22.09.07 rastet Lulu mit ihrem Partner auf einen Getreidestoppelfeld
bei Ahrenshagen, NVP. (Foto: M. Modrow)

Am 10.09.07 feierten wir das Wiedersehen am Rastplatz in der Region des Nationalparks „Vorpommersche Boddenlandschaft“. Gemeinsam mit etwa 240 Kranichen waren Lulu und ihr Partner auf einem Getreidestoppelfeld in der Nähe von Lüdershagen bei der Nahrungssuche.

Lulu und ihr Partner in der Diepholzer Moorniederung
Lulu und Partner bei der Nahrungssuche
in der Diepholzer Moorniederung.
(Foto: M. Kirchhoff, 06.11.07)

Von der Rügen-Bockregion (Nordvorpommern) zog Lulu weiter nach Niedersachsen in die Diepholzer Moorniederung. Ihren Schlafplatz hatte sie im Nördlichen Wietingsmoor, wo sie am 06.11.07 mit einem Receiver angepeilt wurde. In der Umgebung suchten sie und ihr Partner vor allem auf abgeernteten Maisfeldern nach Ernterückständen. Am 05.11.07 rasteten übrigens 32.500 Kraniche in der Diepholzer Moorniederung. Spätestens am 18.11.07 haben Lulu und Partner die Region verlassen, da sie nicht mehr mit dem Receiver am Schlafplatz empfangen wurde.

Ab nach Frankreich – am 20.11.07 wurden Lulu und ihr Partner bei Bignicourt (Lac du Der Chantecoq) zunächst auf einem Feld mit einer Neueinsaat und später auf einem Maisstoppelacker beobachtet.

Tragische Ereignisse am Lac du Der-Chantecoq: Von Lulu wissen wir nun, dass sie sich mindestens vom 15.11.07 in der Lac du Der Region aufgehalten hat. In den folgenden Tagen wurde sie fast täglich auf den Äsungsflächen beobachtet oder es wurde beim Morgen- bzw. Abendflug der Kraniche am Schlafplatz ihr Sender gehört.

Für den 28.11.2007 berichtet Armand Nestler dann:

„07.21 Uhr 148.3910 BuBkBu YRBu Schlafplatz vom Süd-Damm aus / 08.00 vom Nord-Damm aus / gegen 08.51 Uhr verlässt Lulu den See nach N. / Es herrscht dichter Nebel / nachmittags suchen wir Lulu im Norden / hören sie, können sie aber nicht sehen / gegen 17.20 Uhr überfliegt Lulu den Nord-Damm Richtung See. Da ich vor dem Damm parke, nehmen die "Beeps" rasch ab und ich nahm an, sie sei gelandet. Doch um 17.33 Uhr kreiste sie wieder über dem Nord-Damm (der Receiver schlug voll aus). Das war unser LETZTER KONTAKT zu Lulu, denn ich hörte sie weder abends am Schlafplatz noch morgens, den 29.11. Zu bemerken bleibt noch, dass die Landebedingungen im See äußerst schwierig waren und das aus 3 Gründen: der Nebel war SEHR stark / es war dunkel / um den See herum war der Strom ausgefallen und damit fehlten den Kranichen wichtige Orientierungspunkte wie z.B. Straßenbeleuchtung etc. / Ob Lulu im See landete weiß ich nicht.“

Tage später erfuhren wir, dass durch den starken Nebel an diesem Abend zahlreiche Kraniche die Orientierung verloren hatten und nicht wie üblich den Schlafplatz anfliegen konnten. Doch wenn die Kranich nahezu „blind“ fliegen müssen, dann sind sie besonders großen Gefahren in unserer Kulturlandschaft ausgesetzt. An diesem Abend verunglückten mindestens 40 Kraniche an Energieleitungen tödlich. Andere Quellen nennen sogar bis zu 100 tote Kraniche. Einige Tiere sollen auch auf Straßen gelandet sein, die im Nebel und mit Kranichaugen aus der Luft vielleicht wie ein Flachgewässer aussahen. Diese Kraniche wurden dann von Autos erfasst! Sicher ist die Dunkelziffer der verunglückten Kraniche an diesem Abend am Lac du Der-Chantecoq noch viel höher, denn nicht nur Naturschützer sondern auch Füchse beteiligten sich an der Suche nach den verunglückten Kranichen.

Besorgniserregend ist, dass wir seit diesem Abend auch keinen Senderkontakt oder keine Sichtbeobachtung zu Lulu hatten. Hoffen wir das Beste!

Am 28.02.08 erhielten wir einen Anruf von den Kranichfans T. & A. Nestler vom Lac du Der-Chantecoq. Fast den gesamten Winter verbringen unsere Freunde aus Luxemburg in der Champagne, um möglichst viele Informationen über unsere charismatischen Vögel zu sammeln. Doch der Anruf hatte einen traurigen Anlass: A. Nestler hat mit Hilfe seines Receivers den Sender von Lulu an einer Baumreihe bei Sainte Liviére, 1 km nördlich vom See, gefunden (N 48° 36,336’; E 4° 49,781’). In unmittelbarer Umgebung befanden sich zusätzlich zahlreiche Kranichfedern. Lulu ist tot! Die Ursache kann leider nicht mehr festgestellt werden, doch die bereits geschilderte „Nebelkatastrophe“ könnte der Grund für eine Notlandung gewesen sein …

Trotz allem: Lulu wird über ihre Nachkommen auch weiterhin auf dieser Seite präsent sein!

Ein Dankeschön an alle Ableser (bzw. „Peiler”) von Lulu: H. Dirks, E. Hohl, W. & M. Napierski, T. & A. Nestler, A. Pschorn, M. Modrow & D. Gütte, M. Schirrmacher & W. John, P. Petit, E. Hinke, A. Schränkler, C. Kelch, K. Mitri, F. Niemeyer, I. & M. Kirchhoff, M. Runze, P. Schlamann, S. Friedrichsdorf, B. Burgdorf, S. Lange.