Wie die "Vogelgrippe" Kranichfamilien zerstört
Am 30.06.2025 beringten und besenderten wir zwei junge Kraniche in der Nähe von Parchim mit GPS-Sendern. Sie sollten uns neue Erkenntnisse über die Geschwisterbeziehung von Kranichen verraten.
Romus und Remulus, wie die beiden Jungkraniche genannten wurden, verließen ihre Brutheimat bei Parchim Anfang September und rasteten etwa 35 km südlich. Mitte Oktober, am 18.10.25, zog die Familie weiter nach Niedersachsen. Etwa 190 km legten sie an diesem Tag zurück.
Bereits wenige Tage nach der Ankunft im Rastgebiet nahe Nienburg an der Weser verstarb der junge Kranich Romus. Er hatte sich vermutlich im vorherigen Rastgebiet an dem aggressiven Virus H5N1 (Geflügelpest) angesteckt. Sein Geschwisterchen verließ sofort am 19.10.25 das Gebiet und zog in die Diepholzer Moorniederung, wo er fünf Tage verweilte. Vermutlich gab es auch dort erste infizierte und tote Kraniche, so dass Remus am 26.10.25 auch dieses Gebiet verließ, um in seine Brutheimat zurückzukehren.
Hier verweilt er bis heute. Ob seine Eltern ebenfalls dem aggressiven Virus erlagen und er nun alleine unterwegs ist oder nicht, ist noch unklar. Fakt ist, dass diese Familie eine von tausenden ist, die durch die Geflügelpest zerstört wurden. Insgesamt sind bis heute mindestens 18.000 Kraniche alleine in Deutschland an der Geflügelpest verstorben - eine Tragödie sowohl auf der Ebene des Individuums als auch der Population.
Das letzte gemeinsame Foto der Geschwister gelang Beate Meder-Trost am 14.09.2025.